Ein Ausblick auf das wichtigste Sportereignis des Jahres II

Es bedarf wohl keiner großen Einleitung. Viel Spaß mit Teil 2 des Ausblicks!

 

F wie Falsche 9:

Falsche 9, richtige 9. Diese Begriffe fallen momentan häufig in Zusammenhang mit der deutschen Nationalmannschaft. Und nein, gemeint ist nicht das deutsche Kegelteam, sondern unsere DFB-Auswahl. Die Falsche 9 ist der Name einer Taktik, bei der der Mittelstürmer sich immer wieder zurückfallen lässt, Angriffe aus dem Mittelfeld heraus initiiert und aus dem Rückraum den Torabschluss sucht. Eigentlich existiert diese Spielvariante schon seit Ewigkeiten, doch erst seit ein paar Jahren findet sie immer häufiger Anwendung. Der FC Barcelona perfektionierte die Taktik mit Lionel Messi als Inbegriff der falschen 9. Die richtige 9, also der Stürmertyp Strafraumsteher, wird immer mehr zum Auslaufmodell. Das musste auch Stefan Kießling am eigenen Leib erfahren. Dabei steht dieser Mann geradezu für Torgefahr. Selbst das Außennetz ist für Phantom-Kießling kein Hindernis auf dem Weg zum Erfolg. Da Jogi Löw mit Klose nur einen einzigen Stürmer nominiert hat, der noch dazu nicht mal richtig fit ist, werden wir bei dieser WM zwangsläufig auch im deutschen Team die falsche 9 sehen. Meiner Meinung nach wäre Thomas Müller der richtige, um diese Position auszufüllen.

 

G wie Gruppe G:

In dieser Gruppe spielen Ghana, Portugal, die USA und noch ein viertes Team. Ach genau Deutschland. Es geht um die deutsche Gruppe. Eigentlich sollte klar sein, wer hier weiter kommt. Die Gruppe bezieht ihre Spannung jedoch aus der Konstellation des ersten Spieltags. Kommenden Montag treffen nämlich gleich zum Auftakt die Favoriten aus Deutschland und Portugal aufeinander. Der Verlierer dieser Partie steht direkt unter Zugzwang. Hoffen wir also darauf, dass Jogis Jungs da nichts anbrennen lassen. Wobei eine Niederlage gegen Portugal rein vom Storytelling her, schon seinen Reiz hätte. Womöglich wären es dann Ex-Bundestrainer Klinsmann und seine US-Boys, die Deutschland nach Hause schicken würden. Nicht auszudenken…

 

H wie Heimspiel:

Vor vier Jahren fand das erste WM-Turnier auf afrikanischem Boden statt und viel wurde diskutiert, inwieweit die afrikanischen Teams daraus einen Vorteil ziehen können. Im Endeffekt schieden alle Teams früh aus. Lediglich Ghana machte eine gute Figur. Dieses Mal stellt sich wieder die Frage: Werden die Südamerikanischen Teams einen Vorteil aus dem Austragungsort ziehen können? Ich glaube nicht. Nichtsdestotrotz zähle ich alle Südamerikanischen Teams – ohne Ausnahme – zu den ernsthaften Kandidaten für die Teilnahme an den KO-Spielen. Das liegt einfach daran, dass ihre Kader so stark besetzt sind: Über Brasilien und Argentinien braucht man nicht reden, Uruguay hat 2010 als Vierter gezeigt, dass sie zu beachten sind, Chile habe ich schon angesprochen und Kolumbien besticht mit einer sehr starken und dynamischen Offensive. Einzig Ecuador muss sich mit dem Prädikat Underdog begnügen. Die Spieler dieser Teams spielen aber zum Großteil in Europa, sodass von einem „Klimavorteil“ nicht wirklich die Rede sein kann.

 

I wie Italien:

Wenn über die Favoriten dieser WM gesprochen wird, dann fallen immer wieder die Namen Brasilien, Spanien und Deutschland. Italien zählt, wie auch bei den letzten großen Turnieren, nicht zu diesem erlesenen Kreis. Trotzdem muss man sie immer auf der Rechnung haben. Die Italiener sind eine typische Turniermannschaft: Auf ein meist schwaches auftreten in den Gruppenspielen folgt eine enorme Leistungssteigerung in den Finals. Balotellis Jubelpose gegen Deutschland ist noch immer nicht vergessen. Italiens Spiel basiert auf einer starken Defensive. Das unerschütterliche Innenverteidigerduo Bonucci/ Chiellini spielt auch bei Juventus Turin zusammen. Ergänzt wird dieses Bollwerk durch die schnellen Außenverteidiger. Abate auf rechts macht enorm viel Druck über den Flügel und ist für mich einer der Schlüsselspieler im italienischen Team. Im Mittelfeld kann Cesare Prandelli auf die geballte Erfahrung von De Rossi, Marchisio und vor allem Pirlo zurückgreifen. Und im Sturm, ja da gibt es eben diesen Balotelli.

 

J wie Jackson Martinez:

Der Aufschrei war groß in Kolumbien als bekannt gegeben wurde, dass Nationalheld Falcao für die WM ausfallen würde. Eben dieser hatte mit seinen Toren in der Qualifikation den vielleicht größten Beitrag daran geleistet, dass die Südamerikaner zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teilnehmen können. Einer der noch nicht ganz den Status eines Falcaos innehat, aber sich bei weitem nicht verstecken muss, ist Jackson Martinez. Noch spielt er beim FC Porto, doch das Interesse der ganz großen europäischen Klubs hat er mittlerweile geweckt. Vor zwei Jahren kam er aus der mexikanischen Liga nach Portugal und schlug sofort ein: 30 Ligaspiele, 26 Tore – so seine Bilanz in seiner Premierensaison beim FC Porto. Dieses Jahr waren es auch wieder beachtliche 20 Tore in 30 Spielen. In Abwesenheit des großen Falcao könnte dieser Jackson Martinez zum Gesicht des kolumbianischen Spiels werden. Warten wir es ab.

 

K wie Kroatien:

In Gruppe A ist Brasilien der absolute Topfavorit aufs Weiterkommen. Dahinter wird es spannend. Kamerun, Mexiko und Kroatien heißen die anderen Bewerber. Kamerun bot gegen Deutschland im Test eine starke Leistung an. Trotzdem tippe ich auf Kroatien als Gruppenzweiten. Das Team von Trainer Niko Kovac ist taktisch sehr diszipliniert und verfügt über die Einzelspieler, die ein Spiel im Alleingang entscheiden können. Zu diesen Granaten zählt Noch-Bayer Mario Mandzukic genauso wie der Wolfsburger Ivan Perisic. Die beiden Lichtgestalten des kroatischen Spiels sind jedoch eine Reihe weiter hinten anzutreffen. Gemeint sind Luka Modric und Ivan Rakitic. Jeder der ein Real Madrid Spiel in dieser Saison gesehen hat, weiß wie wichtig dieser Modric. Seit seinem Wechsel von Tottenham in die spanische Hauptstadt hat er nochmal einen Schritt gemacht. So einen Schritt machte auch Rakitic. Schon bei Schalke spielte er auf höchstem Bundesliga-Niveau, aber eben nicht Weltklasse. Da ist er jetzt definitiv angekommen. Das Europa League Finale zwischen seinem Klub Sevilla und Benfica Lissabon war der beste Beweis. Rakitic ackerte, brachte die nötige Aggressivität ins Spiel und war an gefühlt jedem Angriff der Andalusier beteiligt. Chapeau!

 

L wie Lahm:

Ach was war das schön, als Philipp Lahm bei der WM 2006 im Auftaktspiel gegen Costa Rica an der Strafraumgrenze zum Schuss ausholte. Es war der Auftakt zu einem ganz starken Turnier des damaligen Rechtsverteidigers, an dessen Ende er zurecht ins All-Star Team berufen wurde. Auch heute noch ist unstrittig, dass Lahm zu den besten Außenverteidigern der Welt gehört. Neu ist allerdings, dass er in dieser Saison fast ausschließlich im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kam, wo er ebenso brillierte. Nun ist Jogi gefragt: Lahm auf die 6 oder in die Viererkette? Ich kann mit beidem bestens leben.

 

M wie Maracana:

„Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracana zum Schweigen gebracht: Frank Sinatra, Papst Johannes Paul II und ich.“

Diesen Satz sagte einst Alcides Ghiggia und spielte damit auf das wichtigste Tor seiner Karriere an. Ghiggia stand 1950 mit Uruguay im WM-Finale gegen den Gastgeber aus Brasilien. Austragungsort war eben jenes legendäre Estadio de Maracana. Schätzungsweise sahen damals etwa 173 000 Zuschauer das Spiel im Stadion. Mittlerweile fasst der Fußballtempel aufgrund von zahlreichen Modernisierungen nur noch 73 531 Zuschauer. Wenn dieses Jahr ein deutscher das Maracana zum Schweigen bringen sollte, dann wäre mir das ganz recht.

 

N wie Nasri:

Einige hatten es schon geahnt, trotzdem war es ein Paukenschlag als Frankreichs Trainer Didier Dechamps am 13. Mai den vorläufigen WM-Kader bekannt gab: Samir Nasri fehlte in der Spielerliste. Grund für diese Entscheidung waren zahlreiche Disziplinlosigkeiten des Mittelfeldspielers. Der negative Höhepunkt war der Spielerstreik bei der WM 2010, den Nasri neben Evra und Ribery anführte. Die beiden letzteren sind allerdings in Brasilien dabei. Nasri ist bei Manchester City Stammspieler und hatte dieses Jahr großen Anteil am Meistertitel der Citizens. Ob die Nichtberücksichtigung nun gerechtfertigt ist oder nicht – leider fehlt bei der WM damit ein ganz großer Spieler.

 

O wie Oranje:

Im Sommer 2012 löste Louis van Gaal Bert van Marwijk als Bondscoach ab, seitdem ist im niederländischen Fußball einiges passiert. Van Gaal vollzog einen Generationswechsel im Team. Stellvertretend steht der Rücktritt des ewigen Mark van Bommel. Aber auch die in die Jahre gekommenen Innenverteidiger Mathijsen und Heitinga verloren ihre Plätze. Das Team besitzt nunmehr kaum Erfahrung bei großen Turnieren, doch das sollen die beiden unbestrittenen Leader Robben und Van Persie kompensieren. Spanien wird wohl kein schlagbarer Gegner für Oranje sein. Gegen Australien muss ein Sieg her und gegen Chile geht es um Platz zwei. Ich bin gespannt auf die Niederländer, die dieses Jahr eine Wundertüte sind. Selbst das Weiterkommen ist alles andere als sicher. Doch sind die KO-Spiele erst mal erreicht, ist vielleicht auch ganz viel möglich.

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